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Gastbeitrag Basler Zeitung
21. September 2009

Jost Müller Vernier, Geschäftsführer WWF Region Basel

Der Landhof muss grün bleiben

Basel-Stadt ist der raumplanerische Vorzeigekanton - zumindest in einem Punkt: Die Siedlungsentwicklung richtet sich mit den Umnutzungen und Verdichtungen vornehmlich gegen innen. Mit den Projekten Novartis Campus, Volta, Erlenmatte, Dreispitz und Roche-Areal wird also nicht Grünland zugebaut, sondern es werden Flächen im bestehenden Siedlungsgebiet besser genutzt.

Ein raumplanerischer Musterschüler ist Basel-Stadt aber nicht nur aus Einsicht. Es bestehen kaum Landreserven, und Versuche, Grünland beim Bäumlihof zu überbauen, scheiterten am Widerstand der Bevölkerung. Auch zur geplanten grossflächigen Umwandlung von Familiengärten, zumeist aus der Grün- in die Bauzone, hat das Volk den Segen noch nicht gegeben. Für eine Beurteilung fehlt auch eine Gesamtschau auf das innere Potenzial im Kanton, auch bezüglich der Bahnareale. Zudem fehlen noch Garantien für die restlichen Familiengärten sowie für eine ökologische Vernetzung zwischen den Langen Erlen und Rhein und entlang des Rheins.

Die Förderung von Wohnen und Arbeiten in zentralen Lagen, die gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen sind, ist ein Grundsatz der Raumplanung - und der Oekologie. Denn immer mehr Leute pendeln immer längere Strecken. Und je weiter draussen jemand wohnt, umso mehr belästigt er andere mit Autolärm und Abgasen, und umso weiter weg zieht es wiederum diejenigen, die Ruhe im Grünen suchen. Die Zersiedelung geht weiter.

Die Erschliessung der inneren Reserven in einem bestehenden Siedlungsgebiet ist die sinnvolle Antwort auf eine weitere Zersiedelung. Dabei muss aber die Qualität des Wohn- und Arbeitsraums sichergestellt sein. Dazu gehört insbesondere, dass genügend Grün- und Freiflächen vorhanden sind.

Nach einer kritischen Beurteilung der geplanten Landhofüberbäuung hat der WWF Region Basel deshalb entschieden, die Landhof-Initiative, die das alte FCB-Gelände als Grünraum erhalten will, mitzulancieren. Die im Rahmen der geplanten Ueberbauung vielleicht hundert neuen Wohnungen wären ein kleiner Beitrag zum Gesamtziel von 5000 Wohnungen in der Stadt, stünden hingegen zum Grünraumverlust in einem schlechten Verhältnis. Und im Kleinbasel fehlen Grünflächen.

Die bisherigen Funktionen als sozialer Begegnungs- und Freiraum kann ein reduzierter Landhof kaum mehr abdecken. Wer eine Verdichtung nach innen und Wachstum in die Höhe verlangt, muss auch Grünraum zur Verfügung stellen - sonst ziehen die Familien weg. Den Landhof grün zu erhalten und nicht zu verbauen, ist somit ein Bestandteil der raumplanerisch und ökologisch sinnvollen Bestrebungen nach innerer Verdichtung.