Gastbeitrag
Basler Zeitung
Samstag,
7. Oktober 2006
Jost
Müller, Geschäftsführer WWF Region Basel
Der
Landhof
soll bleiben, was er ist: eine Grünoase mitten im Kleinbasel
Das
will die Landhof-Initiative, die von Personen verschiedener
Gruppierungen lanciert wurde.
Umrahmt
von Wohnbauten und überragt vom höchsten genutzten Gebäude der
Schweiz, hat sich mit dem Landhof zwischen Mustermesse und Hoffmann-La
Roche ein ruhiger, geschützter Grünraum im pulsierenden Kleinbasel
erhalten. Auf dem öffentlich zugänglichen, ehemaligen FCB-Areal
spielen Kinder, tragen Amateurclubs ihre Fussballmatches aus und
verbringen Ruhesuchende ihre Mittagspause.
Seinen
Charme gewinnt der Landhof gerade dadurch, dass hier wenig
durchorganisiert und durchgestylt ist – und alles ist etwas in die
Jahre gekommen. Doch der Landhof gilt als Sportstätte, nicht als Grünanlage.
Deshalb soll er nun zum Teil überbaut werden.
Personen
der VEW, CVP, von den Grünen und BastA!, des WWF Region Basel, von Pro
Natura Basel sowie vom Verein zur Erhaltung des Landhofareals haben
deshalb eine Volksinitiative lanciert, die den Landhof der Grünzone
zuweisen und gesamthaft erhalten will, damit er aufgewertet werden kann
und der Bevölkerung weiterhin ungeschmälert zur Verfügung steht.
Denn
im Kleinbasel gibt es viel zu wenig Grünraum – ja, die Stadt Basel
benötigt gemäss Freiraumkonzept des Baudepartements rund 30 Hektaren
zusätzliche Grünflächen, was etwa drei Parkanlagen in der Grösse des
Kannenfeldparkes entspricht.
Mangel
an Frei- und Grünflächen besteht in den Quartieren Gundeli, St.
Johann, Matthäus, Clara und Rosental. Ein Drittel der Basler Bevölkerung
wohnt in Gebieten, die schlecht mit öffentlichen Freiflächen
ausgestattet sind. Eine ausreichende Versorgung liegt nach Freiraumkonzept
dann vor, wenn sechzig Prozent der Bevölkerung innerhalb von sieben
bis zehn Gehminuten zu einem öffentlichen Grünraum gelangen können.
Auch in Bevölkerungsbefragungen wird die Bedeutung von Grünanlagen
bestätigt und Unzufriedenheit konstatiert.
Verfolgt
man das Ziel, in der Stadt 5000 neue Wohnungen zu erstellen, und sollen
zusätzliche Arbeitsplätze in immer höheren Gebäuden geschaffen
werden, so ist es umso wichtiger, mehr Grünraum bereitzustellen –
oder wenigstens den bestehenden zu erhalten. Denn irgendwo müssen
Kindern spielen können – sonst ziehen die Familien weg. Und wer im
Messeturm arbeitet, braucht die Möglichkeit, sich in der Mittagspause
im Grünen zu entspannen.
Das
Anliegen, den Landhof frei zu halten, unterstützt somit auch die Ziele
der Basler Stadtentwicklung und einer raumplanerisch sinnvollen inneren
Verdichtung. Ein grüner Landhof ist gerade Bestandteil der
Anstrengungen, Wohnen und Arbeiten im städtischen, gut mit dem öffentlichen
Verkehr erschlossenen Gebiet attraktiv zu machen. Wer Stadtentwicklung
predigt, muss auch mehr Grün in der Stadt fordern und kann nicht nur
Wohnbauten und Bürohochhäuser preisen. Der Verlust, der entsteht, wenn
man einen Teil des Landhofs für siebzig Wohnung – von insgesamt 5000
geplanten – opfert, steht auch in keinem Verhältnis zum möglichen
Ertrag.
Dann
besticht ein Landhofpark durch einen weiteren Vorteil: Er ist fast
gratis zu haben – denn das Areal gehört bereits den Baslerinnen und
Baslern.
